Call + Collect

Es kamen die letzten Tage immer wieder Anfragen zum Thema „call und collect“. Machst du das auch? Wie läuft das ab? Da muß ich mich jetzt an die eigene Nase fassen. Schlechte Kommunikation meinerseits. Sehr schlechte Kommunikation. Asche auf mein Haupt. Klar, gibt`s bei mir auch die Möglichkeit anzurufen (0171 41 44016) oder mich per Email (info@talwaerts.de), per whattsapp oder facebook – messenger anzuschreiben. Snowboardstuff ist ausreichend vorhanden. Circa 200 Snowboards, 180 Bindungen und über 100 Paar Snowboardboots sind verfügbar. Nur bei Splitboards bin ich ausverkauft und der Markt ist leer. Das Thema ist für mich diese Saison durch. Auch gebrauchte Kinder – Snowboards sind die letzten Wochen gut weg gegangen. Da ist nicht mehr viel da. Gebrauchte Snowboards in Erwachsenengrößen sind noch verfügbar. Eigentlich ist dieser Winter optimal um mit dem Snowboarden anzufangen. Die ersten Tage brauchst du keinen Lift und wenn`s dich semmelt, tut es bei diesen Schneeverhältnissen nicht weh. Beratung per Telefon oder per Mail ist auch kein Act. Das kriegen wir schon hin. Beim Thema „Abholung“ bin ich absolut flexibel. Ich wohn` ja nur einen Steinwurf vom Laden entfernt. Da läßt sich ein Abholtermin auch kurzfristig vereinbaren.

Wenn ich jetzt schon am Schreiben bin, noch ein paar Worte zum Themenkomplex Talwärts- Shop, Pandemie, Lockdown usw. … .Leicht ist die Situation nicht. Die beiden vorhergegangenen Winter waren auf Grund der Witterung schon kein Grund zur Freude. Wenn`s nicht schneit, braucht kaum jemand ein Snowboard. Ok, das fällt unter unternehmerisches Risiko. Diesen Winter schüttelt sich Frau Holle einen Ast und ich darf nicht aufsperren. Der Landkreis Regen ist seit Mitte Oktober von irgendwelchen Einschränkungen durch Allgemeinverfügungen, Lockdown light, Lockdown usw. betroffen. Das mußt du erst einmal weg stecken.

Was mich bisher einigermaßen „gut“ durch diese ruppige Zeit gebracht hat ist die große und zum Teil überwältigende Unterstützung durch die Talwärts – Community. Bereits beim ersten Lockdown kamen viele Anrufe und Mail mit Fragen „Wie geht`s dir?“, „Kann ich irgendwie helfen?“ , „Brauchst du Unterstützung?“. Von mehreren Kunden bekam ich sogar finanzielle Unterstützung angeboten. Vielen herzlichen Dank dafür. Bis jetzt komm` ich gerade noch zu recht. Es beruhigt schon ungemein, wenn du so einen Kundenkreis hast. Auffallend ist allerdings, dass die Wertschätzung für den Laden umso größer ist, umso weiter weg die Kunden wohnen. Das hat mich im Frühjahr etwas irritiert. Die Antwort bekam ich im August von einem Kunden aus Darmstadt (herzlichen Dank Fabian). Er hat mitten im Sommer ein Snowboard bestellt und mir auf die Frage, ob das nicht ein bißchen früh sei geantwortet. „Ich brauche nächste Saison ein neues Board und ich kaufe es jetzt, weil ich dich unterstützen will. Wer weiß was kommt und evtl. ist es im Dezember dann zu spät. Ich weiß, was es bedeutet, wenn du im Umkreis von 200 km gar keinen Shop mehr hast, der sich mit Snowboards auskennt.“ Diese Aussage beschäftigt mich bis heute. Meine Gedanken kreisen seitdem mehr um den Begriff Wertschätzung, als um Wertschöpfung. Es wurde etwas ausgelöst, dessen Ergebnis ich momentan noch nicht abschätzen kann.

Fakt ist, dass ich in meinen 30 Jahren Snowboard – Business nicht so viel Beratungsdiebstahl hatte, wie in den 4 Jahren, in denen ich wieder im „Woid“ bin. Über 30% der Beratungsgespräche führen ins Leere – zumindest für mich. Ich war und bin mit einer Dreistigkeit konfrontiert, die ich aus meiner Zeit in Deggendorf nicht kannte. In dieser Zeit erfuhr ich deutlich mehr Wertschätzung für meine Arbeit. Ich bin Fabian sehr dankbar für seine Worte im Sommer. Wer keinen Snowboardshop mehr vor der Haustüre hat, der merkt sehr schnell, dass er fehlt. Wer ihn vor der Haustür hat, macht sich darüber keinen Gedanken. Man fährt schnell mal hin um eine Beratung abzugreifen, ein paar Snowboardboots anzuprobieren oder (die dreisteste Nummer überhaupt) mal schnell in den Shop zu marschieren, sich in ein laufendes Verkaufsgespräch zu drängeln, mir das Handy unter die Nase zu halten und zu sagen: „Ich hab` mir dieses Board im Internet gekauft, jetzt passt meine Bindung nicht drauf. Kannst du mir schnell helfen.“ Gut, der Typ (Angehöriger der indigen „Woid“ – Bevölkerung) flog aus dem Shop, aber er ist halt kein Einzelfall. Wie ich auf lange Sicht mit diesen Situationen umgehen werde ist noch nicht raus. Eine Sofortmaßnahme gibt`s aber schon.

Ab sofort gibt`s im Laden Service, Reparaturen und Ersatzteile nur mehr für Artikel, die im Shop gekauft wurden. Es bleibt mir leider keine andere Wahl. Irgendwie muß ich diese Parasiten los werden. Für meine Kunden ändert sich nichts, da bleibt alles beim alten. Ihr wißt, ich bin für euch da. Egal, wie alt euer Board oder eure Bindung ist. Irgendwie kriegen wir die Gurke schon wieder flott.

Das Business ist hart geworden. Durch die Globalisierung sind die Lieferketten lang und störungsempfindlich. Industrie und Vertriebe versuchen jedwedes Risiko auf den Einzelhandel abzuwälzen. Im Juli 2020 müssen die Skateboards für die März / April 2021 Lieferung bestellt werden. Momentan kommen die Ordersheets für die Snowboards, Snowboardbindungen usw. … für den Winter 2021/22 rein. Wie soll ich heute unter den Rahmenbedingungen der Corona – Pandemie wissen, was in 8 Monaten ist. Unsere politische Führungselite, weiß am Freitag nicht mal mehr, was sie am Montag erzählt hat. Von mir erwartet man, dass jetzt rechtsverbindliche Kaufverträge abschließe, obwohl ich nicht weiß, ob ich im Winter 2021/22 überhaupt aufsperren darf, kann oder will. Ich will hier nicht jammern, will euch nur einen Einblick geben, mit welchen Problemen sich der stationäre Einzelhandel so herumschlagen muß. Bin Unternehmer und somit obliegt es mir etwas zu unternehmen um Änderungen herbei zu führen. Ich bin zum Glück weder an den Shop, noch der Shop an Zwiesel gebunden. Veränderungen stehen an. Die nächsten Monate werden spannend.

Zum Schluß noch ein paar Worte an meine Nachbarn vom Cafe LEBEN. Ihr verrückter Haufen seid eine derartige Bereicherung und Inspiration für mein Leben, dass ich es kaum in Worte fassen kann. Macht weiter so. Zieht euer Ding durch und haltet euch von den Lederhosenträgern fern. Es ist oft nicht viel drin in die Köpf, hat die Hosen vorn zwoa Knöpf.

In diesem Sinne, wir sehen uns. Bleibt gesund und denkt dran #supportyourlocalsnowboardshop

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