Talwärts Liftcheck Skilift Rabenstein

Jahr für Jahr nahm ich es mir vor, aber irgendwie wurde nie was draus – aus dem TALWÄRTS LIFTCHECK = alle kleineren Lift in der Region ansteuern, ne Runde Boarden und eine kleine Review schreiben.
Am World Snowboardday 2018 war`s dann doch soweit. Boards, Boots und sonstigen Krimskrams in den Kofferraum und ab zum Lift checken. Die Wahl fiel spontan auf den Skilift Lohwaldhäng zwischen Ludwigsthal und Lindbergmühle.

Erste Überraschung: die Lohwaldhäng ließ mich hängen. Der Lift war zu.
Eine Alternative mußte her. Die fand sich nicht weit entfernt in Rabenstein. Das kleine Bergdorf liegt etwas oberhalb von Zwiesel. Der Lift war in Betrieb und meine Laune besserte sich schlagartig.

Zweite Überaschung: keiner da. Zumindest auf dem Hang. Eine einzige Spur auf der sauber präparierten Piste. Kein Anstehen, kein Aufpassen beim Carven. Wo keiner ist, kann mich auch keiner von hinten abräumen. Wie geil ist das denn.
Ab zum Lifthäuschen, Karte kaufen.  Leichte Irritation ob der Frage ob ich den Mitglied sei. Der Lift wird vom Wintersportverein Rabenstein betrieben. Vereins – Mitglieder bekommen die Liftkarte billiger. Wobei billiger geht`s ja kaum noch. Ich hab` als Nichtmitglied € 6,00 für die Halbtageskarte bezahlt. Das ist schon sehr günstig. 4 Stunden Snowboarden für € 6,00. WSV Rabenstein Mitglieder zahlen € 4,00. Die Piste sauber präpariert, die Liftspur top, rings um mich herum Winterwonderland. Das alles für € 1,50 / Stunde. Ok, die Piste ist mit 350m nicht allzu lang und der Lift ist ein Seilumlauflift, aber bei € 1,50 / Stunde darf keiner meckern?

Ich hatte 3 Stunden lang einen Mörderspaß. Der Hang war toll präpariert und hatte richtig Grip. Im Laufe des Nachmittags kamen noch ein paar Ski – Kiddies, die sind neben dem Lift immer durch den Wald gesaust. Am Pistenrand haben sich ein Snowboarder und ein Skifahrer nen Kicker geschaufelt. Für mich war das heute eine Reise in die Vergangenheit. Genau unter diesen Bedingung habe ich vor über 30 Jahren Snowboarden gelernt. Ein kleiner Lift, eine kurze Piste ein Snowboard und ich. Kein Apresski – Halligalli, kein Kabinenbahn – Luxus, kein Sessellift – Komfort. Lange habe ich Snowboarden nicht mehr so pur und unverfälscht erlebt. Der Skilift und die Piste in Rabenstein sind auf`s nötigste reduziert. Aber braucht es wirklich mehr um ein paar tolle Stunden im Schnee zu verbringen?

Weil wir gerade von Stunden sprechen. Am Lifthäuschen hängt eine Uhr. So um 13.20 bin ich das erste Mal mit dem Lift hochgefahren. Irgendwann fiel mein Blick auf die Uhr an der Außenwand des Liftstüberls. Halb Drei. Verdammt die Zeit verfliegt heute aber schnell. Hoch mit dem Lift, runter. Hoch mit dem Lift, runter … . Zwischen all dem rauf und runter ein Blick auf die Uhr. Halb Drei. Geil, erst halb Drei. Da hab` ich ja noch voll viel Zeit. Hoch mit dem Lift, runter. Hoch mit dem Lift, runter. Hoch mit … . Blick auf die Uhr. Halb Drei. Verdammt, ich bin total fertig. Das kann nicht sein. Blick auf`s Handy. Kurz vor Vier. Ich war so gestoked, dass ich nicht gemerkt habe, dass die Uhr stand.

Fazit: Der Skilift Rabenstein ist auf alle Fälle einen Besuch wert. Piste und Lift sind gepflegt. Zufahrt und Parkplatz gut geräumt. Die Liftbetreiber sind freundlich und zuvorkommend. Nur der kleine Liftboy sollte bei der Arbeit etwas weniger fluchen. Das Gefälle der Piste ist nicht allzu steil, aber man wird schnell genug um saubere Carves ziehen zu können. Vom Liftausstieg bis zur Piste sind`s ein paar Meter. Wer ein schlecht gewachstes Board hat muß ein wenig pushen. Beim Zugang zum Lift geht`s etwas hoch. Muß man halt auch etwas mit dem hinteren Bein nachhelfen. Das könnte bei eisigeren Schneebedingungen etwas mühsam werden. Eine nette, kleine Hütte mit Bewirtung ist vorhanden. Im Außenbereich sieht es etwas mager aus. Kaum Sitzgelegenheiten. Keine Schneebar usw. .
Ist jetzt für mich persönlich nicht so wichtig. Im Hinblick auf die, durch die östereichischen Skigebiete gesetzten Standards sind diese Dinge aber Pflicht. Der Bayerische Wald vermarktet sich als Wintersportregion und muß sich somit an den Benchmarks der Mitbewerber orientieren. Das im Woid allgegenwärtige „daugt scho“ bringt niemand weiter.
Zu diesen must haves gehört auch ein Snowpark. Ein Skilift / Skigebiet ohne Snowpark für Freeskier und Snowboarder ist nicht mehr zeitgemäß. In der Bewertung ergibt deshalb ein fehlender bzw. unprofessioneller Snowpark immer den Abzug eines Liftbügels.
Bei einem kleinen Skilift wie in Rabenstein erwartet niemand eine perfekte Kickerline oder einen Funpark mit einem dutzend Ostacles. Aber für 1 – 2 Boxen wäre durchaus Platz.

Der Skilift Rabenstein bietet trotzdem ein hervorragendes Preis- / Leistungsverhältnis. Eine klare Empfehlung für alle die mal schnell ein paar Stunden Wintersport betreiben wollen und auf alpenländische Apresski – Folkore verzichten können.

Liftcheck Ergebnis: 3,5 von 5 Liftbügeln ( =noch gut, aber es gibt auch noch Luft nach oben)

Zum Abschluß noch die Öffnungszeiten:

Freitag: 13.00 – 21.00 (ab 18 Uhr Flutlicht)
Samstag: 13.00 – 17.00
Sonntag: 13.00 – 17.00
Für Gruppen und Kurse öffnet der Lift nach Absprache auch an anderen Tagen.

und die Liftkartenpreise:

Halbtageskarten (13.00 – 17.00):

Nichtmitglieder Schüler / Jugendliche € 5,00 Erwachsene € 6,00

Flutlicht (Freitag 18.00 – 21.00) € 3,00

Der Talwärts Liftcheck ist weder objektiv noch wissenschaftlich fundiert. Es geht nicht um ISO – konforme Erbsenzählerei, sondern um meinen subjektiven Eindruck von einem Lift / Skigebiet. Bin in den letzten 30 Jahren doch viel rumgekommen. Hab` einiges gesehen und erlebt. Diese Erfahrungen sind die Grundlage des Checks. Bin ich gestoked gibt`s viele Liftbügel.
5 Liftbügel = Stoke im Überfluß / 0 Liftbügel = kannste dir sparen

Das war`s dann auch schon mit dem ersten Talwärts Liftcheck.
Für Kritik und Anregungen bin ich immer offen. Schreibt mir eine Email oder ruft mich an.
Wenn`s euch gefallen hat, schaut einfach öfters auf der Talwärts Website vorbei oder abonniert die Talwärts Facebook – Seite.

snow never sucks

Herbert Hackl

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